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FORSCHUNGSBERICHT 1996-1998


 

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Graduiertenkolleg: Die Renaissance in Italien u. ihre europ. Rez.:Kunst-Gesch.-Lit.

Graduiertenkolleg: Die Renaissance in Italien u. ihre europ. Rez.:Kunst-Gesch.-Lit.

Allgemeine Angaben:
Kunsthistoisches Instiut , Regina-Pacis-Weg 1 , 53113 Bonn , Telefon: 0228 / 73-7361 , Telefax: 0228 / 73-7334

Sprecher:
Prof. Dr. Barbara Schellewald

Projektleiter / Beteiligte Hochschullehrer
Prof. Dr. Anne-Marie Bonnet (Kunstgeschichte, Universität Bonn)
Prof. Dr. Renate Groth (Musikwissenschaft, Universität Bonn)
Prof. Dr. Willi Hirdt (Romanische Philologie, Universität Bonn)
Prof. Dr. Justus Müller Hofstede (Kunstgeschichte, Universität Bonn)
Prof. Dr. Wolfram Hogrebe (Philosophie, Universität Bonn)
Prof. Dr. Wolf-Dieter Lange (Romanische Philologie, Universität Bonn)
Prof. Dr. Marc Laureys (Mittel- und Neulateinische Philologie, Universität Bonn)
Prof. Dr. Dieter Mehl (Englische Philologie, Universität Bonn)
Prof. Dr. Hans-Joachim Raupp (Kunstgeschichte, Universität Bonn)
Prof. Dr. Bernd Roeck (Geschichte, Universität Bonn)
Prof. Dr. Georg Satzinger (Kunstgeschichte, Universität Bonn)
Prof. Dr. Gunter Schweikhart (bis 29. November 1997 Sprecher des Graduiertenkolleg)
Prof. Dr. Andreas Tönnesmann (Kunstgeschichte, Universität Augsburg)
Prof. Dr. Henning Wrede (Klassische Archäologie/Altertumswissenschaft in der Renaissance, Winckelmann-Institut der Humboldt Universität Berlin)

Stipendiaten

Projektbereiche und Teilprojekte:
Geschichte der Altertumswissenschaft; Epochengrenzen zwischen Mittelalter und Renaissance; Die profane und kirchliche Auftraggeberkultur der Renaissance sowie die Institutionengeschichte; Rezeption der Renaissance; Gender-Forschung; Theorie- und Methodengeschichte;

Forschungsprogramm
Im Bereich der Geschichte der Altertumswissenschaft wurde die interdisziplinäre Zusammenarbeit kontinuierlich vertieft. Henning Wrede weitete seine Untersuchungen zur Geschichte des Antikenverständnisses und der Antikensammlungen verstärkt auf das 17. und 18. Jahrhundert aus. Martin Ott erforscht den wissenschaftlichen Umgang mit Antikfunden in Bayern während des 16. Jahrhunderts. Der Bedeutung antiker Münzen als Quellengattung der frühen Altertumskunde widmet sich Volker Heenes. Michael Lailachs Forschungen zur Hieroglyphik und Emblemkunde im 16. Jahrhundert beziehen auch Aspekte der Arkanwissenschaften in das Arbeitsfeld des Kollegs ein. Wolfgang Hogrebe und Marc Laureys sind an der Vorbereitung eines Forschungsprojektes zur Bedeutung Plethons für den Platonismus in Italien beteiligt. Die frühe Ausbildung altertumswissenschaftlicher Methoden untersucht Marc Laureys an italienischen und niederländischen Beispielen.

Einen Schwerpunkt bildet zudem das Problem der Epochengrenzen zwischen Mittelalter und Renaissance. Mit dem Funktionsspektrum des Bildes und der Kategorienbildung der Bildprache im 14. Jahrhunderts als bisher unterschätzten Faktoren für die Kunst der Frührenaissance beschäftigt sich Barbara Schellewald. Den programmatischen und ästhetischen Umgang des Mittelalters bzw. der frühen Neuzeit mit architektonischen und skulpturalen Relikten der Antike untersuchen Georg Satzinger, Barbara Schellewald und Rebecca Müller.

Die profane und kirchliche Auftraggeberkultur der Renaissance sowie die Institutionengeschichte erwiesen sich als fruchtbare Felder der Zusammenarbeit des Kollegs. Bernd Roeck und Andreas Tönnesmann untersuchen die Geschichte und Kunstgeschichte Urbinos unter dem Aspekt höfischer Repräsentation. Klaus Pietschmann erforscht das Musikleben am Hof Papst Paul III., Renate Groth die Musikpflege und musikalische Theoriebildung innerhalb der italienischen Akademien der Renaissance. Einen exemplarischen monastischen Auftrag im Bereich der Malerei des 16. Jahrhunderts untersucht Angela Oberer, Tristan Weddigen widmet sich päpstlichen Ausstattungsprogrammen unter Leo X. und Clemens VII., Barbara Ullrich der programmatischen Bedeutung Kaiser Karls V. für die höfische Malerei Italiens im 16. Jahrhundert.

Fragen der Rezeption der Renaissance wurden aus der Sicht fast aller beteiligter Fächer untersucht, woraus sich intensive Diskussionen und neue Perspektiven der Zusammenarbeit ergaben. Frühen Manifestatonen des Interesses an humanistischer Kultur nördlich der Alpen widmeten sich aus kunst-, literatur- und altertumswissenscahftlicher Sicht Kristina Domanski, Michael Lailach und Michael Ott. Anne-Marie Bonnet untersucht Rezeptionsmodi italienischer Bildkultur einschließlich der Kunsttheorie bei Albrecht Dürer und Lucas Cranach d.Ä., Christian Kelnberger erforscht parallele Phänomene des kulturellen Transfers anhand englischer Madrigalkompositionen des 16. Jahrhunderts. Mit der Untersuchung der literarischen Rezeption des Humanismus und der Renaissance innerhalb der iberischen Kulturen führte Wolf-Dieter Lange einen neuen Aspekt des Themas in die Arbeit des Kollegs ein. Justus Lipsius und seine historische-philologische Interpretationsmethode spielen eine zentrale Rolle in Marc Laureys' Forschungen zum niederländischen Späthumanismus; Fragen der bildlichen Reflexion über Aufgaben und Selbstverständnis der Künstlers in den Niederlanden untersucht Hans-Joachim Raupp, Justus Müller Hofstede arbeitet weiter an der Erforschung der Rezeption italienischer Renaissancekunst im Werk Peter Paul Rubens'. Dieter Mehl führt seine Forschungen zur Rezeption der italienischen Renaissance im elisabethanischen Drama fort. Für die Architekturgeschichte wird von Andreas Tönnesmann die west- und mitteleuropäische Architektur des 16. Jahrhunderts auf ihre Verarbeitung italienischer Vorbilder untersucht. Margot Brandlhubers Fragestellung zum Beginn der Neurenaissance in der französischen Dekorationskunst um 1800 hat die bisherige Lücke der Frankreichforschung geschlossen. Georg Satzinger widmet sich dem Studium der italienischen Renaissance- und Barockarchitektur in Deutschland bis in das 18. Jahrhundert. Darüber hinaus wird die Michelangelos-Rezeption im Bereich der Skulptur und Druckgraphik von ihm erschlossen. Die Rezeptionsthematik bis in das 20. Jahrhundert verfolgen in der Architektur Andreas Tönnesmnan, in der Malerei und Skulptur Anne-Marie Bonnet. Für die Literaturwissenschaft sind die Arbeiten von Katrin Korch über die Petrarca-Rezeption seit der Mitte des 18. Jahrhunderts in Deutschland und von Dieter Mehl über das Italienbild im englischen Roman des 19. Jahrhunderts zu erwähnen.

Im Bereich der Gender-Forschung setzt sich die Arbeit von Gunter Schweikhart in Kristina Domanskis Untersuchung von Bocaccios Biographiensammlung berühmter Frauen und deren Wirkung als Tugendspiegel und moralisch-didaktischer Exempelkatalog fort. Xenia von Tippelskirch stellt die Lesekultur von Frauen während der frühen Neuzeit in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Aspekte materieller Kultur der italienischen Renaissance erforschen Bettina Uppenkamp und Ilaria Hoppe in den Arbeiten über bemalte Brauttruhen des 15. Jahrhunderts in Italien bzw. Frauengemächer in italienischen Residenzen des 16. Jahrhunderts.

Probleme der Theorie- und Methodengeschichte im Kontext der Renaissanceforschung sind von allen Forschungsgruppen intensiv diskutiert worden. Während die Lipsius-Forschungen von Marc Laureys z.B. die Frühzeit dieses Themenkomplexes behandeln, setzt sich Benrd Roeck mit den methodengeschichtlichen Innovationen Jacob Burckhardts und Aby Warburgs auseinander.

Das hier skizzierte Froschungsprofil des Kollegs hat sowohl in den im In- und Ausland stattfindenden Arbeitstagungen, den öffentlichen Vorträgen wie auch in den vom Kolleg publizierten Bänden der Atlas-Reihe seinen Niederschlag gefunden.


Transfer und Öffentlichkeitsarbeit