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FORSCHUNGSBERICHT 1999-2001

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Next:Graduiertenkolleg: Einsatz von Informationstechniken zur Präzisierung des Pflanzenschutzes auf landwirtschaftlich und gärtnerisch genutzten Flächen
Up:Forschungsbericht
Up:Graduiertenkollegs

"Quantitative Ökonomie"

Allgemeine Angaben:
Adenauerallee 24-42, 53113 Bonn

Sprecher:
Prof. Dr. Georg Nöldeke

Projektleiter / Beteiligte Hochschullehrer:
Prof. Dr. Dieter Bös
Prof. Robert Kollmann, Ph.D.
Prof. Dr. Mathias Kräkel
Prof. Jörg Oechssler, Ph.D.
Prof. Dr. Clemens Puppe
Prof. Dr. Klaus Schürger
Prof. Dr. Urs Schweizer
Prof. Avner Shaked, Ph.D.
Prof. Dr. Dieter Sondermann
Prof. Dr. Jürgen von Hagen
Prof. Dr. Klaus Zimmermann

Stipendiaten:
Dr. Axel Gautier (DFG)
Dr. Manipushpak Mitra (DFG)

Projektbereiche und Teilprojekte:

A:  Experimentelle Studien zu Verhandlungsproblemen und beschränkt rationalem Lernen (Oechssler, Wirtschaftstheorie; Puppe, Wirtschaftstheorie)

B:  Kooperatives Verhalten in Netzwerken (Nöldeke, Wirtschaftstheorie; Shaked, Wirtschaftstheorie)

C:  Vertragliche und vertragsähnliche Beziehungen zwischen Individuuen und Kollektiven (Bös, Finanzwissenschaft; Kräkel, Betriebswirtschaftslehre; Schweizer, Wirtschaftspolitik)

D:  Wettbewerb wirtschaftspolitischer Institutionen und Systeme (von Hagen, Wirtschaftspolitik; Zimmermann, Wirtschaftspolitik)

E:  Analyse und Absicherung von Finanz- und Kreditrisiken (Schürger, Statistik; Sondermann, Statistik)

F:  Theoretische und empirische Analyse von internationalen Finanzmärkten (von Hagen, Wirtschafspolitik; Kollmann, Wirtschaftspolitik)

Forschungsprogramm:

Im Zentrum des Forschungsprogrammes des Graduiertenkollegs stehen Forschungsschwerpunkte zur experimentellen Wirtschaftsforschung, Spieltheorie, Vertragstheorie, Wirtschaftspolitik und Finanzmarktökonomik, die jeweils von mehreren Hochschullehrern gemeinsam betreut werden und darauf abzielen, die Weiterentwicklung der jeweils relevanten theoretischen, empirischen und experimentellen Methoden der quantitativen Ökonomie mit inhaltlichen Fragestellungen, insbesondere aus dem Bereich der Institutionenökonomik zu verknüpfen.

Projektbereich A: Die ökonomische Analyse von Institutionen beruht zum größten Teil auf der Hypothese von vollständig rationalem Individualverhalten. Ist das Ziel jedoch der Entwurf von Institutionen, die in der Wirklichkeit bestehen können, dann muß man sich auch mit dem experimentelle vielfach bestätigten Phänomen der beschränkten Rationalität auseinandersetzen. Damit werden jedoch auch wirklichkeitsnahe Experimente zur Untersuchtung der Frage nötig, wie institutionelle Regeln individuelles Verhalten beeinflussen. Ziel des Projektbereichs ist die Durchführugn experimenteller Studien zur Auswirkung beschränkt rationalen Verhaltens auf das Design von Institutionen und Anreizverträgen, wobei insbesondere die theoretischen und empirischen Erkenntnisse der anderen Forschugnsschwerpunkte experimentell begleitet werden sollen.

Projektbereich B: Die Struktur ökonomischer, sozialer und verwandtschaftlicher Beziehungsgeflechte beeinflußt die Ausbildung kooperativer und altruistischer Verhaltensweisen. In der ökonomischen Literatur sind entsprechende Effekte z.B. in der Untersuchtung sozialer Netzwerke mit lokaler Interaktionsstruktur, Spielen zwischen Geschwistern, wiederholten Spielen mit wechselnden Partnern und der Auswirkung wirtschaftspolitischer Maßnahmen in dynasmischen Gleichgewichtsmodellen betrachtet worden. Ziel des Projektbereichs ist es, zu einem vertieften Verständnis der Wechselwirkungen zwischen der Struktur sozialer Netzwerke und der Ausbildung kooperativen Verhaltens zu gelangen.

Projektbereich C: In der herkömlichen ökonomischen Theorie der Verträge werden vertragliche Beziehungen zwischen individuellen Partnern untersucht. Im Projektbereich soll die Fragestellung dahingehend erweitert werden, daß einzelne und sogar alle Vertragsparteien aus Kollektiven, d.h. aus Gruppen, Teams oder Gemeinschaften von Individuen bestehen. Gemeinsame Merkmale dieser Beziehungen sind ihre längerfristige Natur und insbesondere ihre unvollständige Ex-ante-Spezifizierung. Vertragliche Beziehungen im engeren Sinne werden von den Vertragsparteien selbst gestaltet. Bei vertragsähnlichen Beziehungen kommen auch Regeln in Frage, die von anderen festgelegt und implementiert worden sind. Das gemeinsame Erkenntnisinteresse innerhalb des Projektbereichs betrifft das institutionelle Verständnis und die normative Bewertung von vertraglichen und vertragsähnlichen Beziehungen zwischen Kollektiven und Individuen im obigen Sinn.

Projektbereich D: Durch die Globalisierung werden Staaten in den Wettbewerb miteinander um mobile Produktionsfaktoren gestellt. Gemeint ist damit, daß die Ausgestaltung etwa der Arbeitsmarktpolitik, der Sozialpolitik oder der Regulierungspolitik ähnlich wie die nationale Steuerpolitik die Attraktivität eines Landes als Wirtschaftsstandort beeinflußt und daß Regierungen diese Politikbereiche daher nutzen, um Unternehmen zu Investionen in ihrem Land zu veranlassen. Je nachdem, in welchem Zusammenhang diskutiert wird, wied dieser Wettbewerb mal positiv (als Motor der Deregulierung), mal negativ (als Bedrohung sozialer Stabilität) angesehen. Die wirtschaftspolitische Debatte um Systemwettbewerb entbehrt noch weitgehend einer soliden theoretischen und empirischen Grundlage. Ziel des Projektbereichs ist es, dieses Defizit für ausgewählte Themenbereiche zu beheben.

Projektbereich E: Die Märkte für Finanzderivate haben in den letzten 20 Jahren eine stürmische Entwicklung durchgemacht, die zunächst die Aktien- und Devisenmärkte, dann die Zinsmärkte und schließlich die Kreditmärkte erfaßt hat. Die Analyse und die Absicherung von Zins- und Kreditrisiken mittels Derivaten wird methodischer und empirischer Schwerpunkt des Projekts sein. Hierbei geht es insbesondere um die Entwicklung kostengünstiger Absicherungsstrategien, die zwar keinen perfekten Hedge darstellen, aber das Risiko im Sinne eines geeigneten Risikomaßes minimieren - und zwar unter Berücksichtigung von Marktunvollständigkeiten, Transaktionskosten und Robustheit gegenüber Änderung der Modellparameter.

Projektbereich F: Die internationale Makroökonomik hat sich in den letzten Jahren zunehmend um die Integration zweier Forschungsrichtungen bemüht. Dieses ist einerseits die entscheidungstheoretische Fundierung der Makroökonomik, die zuerst in Modellen der "real business cycle"-Schule entwickelt wurde, andererseits die Finanzmarkttheorie. Ziel des Projektbereichs ist es, diese Integration in Hinblick auf Fragen der Stabilität und Regulierung internationaler Finanzmärkte unter Bedingungen hoher Kapitalmobilität voranzutreiben.


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