Uni Logo

FORSCHUNGSBERICHT 1999-2001

INDEX
Prev.:Graduiertenkolleg: Pathogenese von Krankheiten des Nervensystems
Next:Graduiertenkolleg: Algebraische, analytische und geometrische Methoden und ihre Wechselwirkung in der modernen Mathematik
Up:Forschungsbericht
Up:Graduiertenkollegs

Graduiertenkolleg: Die Renaissance in Italien u. ihre europ. Rez.:Kunst-Gesch.-Lit.

Allgemeine Angaben:
Regina-Pacis-Weg 1, 53113 Bonn
Telefon: 0228 / 73-4781
Fax: 0228 / 73-7334

Sprecher:
Prof. Dr. Barbara Schellewald

Projektleiter / Beteiligte Hochschullehrer:
Prof. Dr. Anne-Marie Bonnet Kunstgeschichte, Universität Bonn
Prof. Dr. Renate Groth Musikwissenschaft, Universität Bonn
Prof. Dr. Willi Hirdt Romanische Philologie, Universität Bonn
Prof. Dr. Wolf-Dieter Lange Romanische Philologie, Universität Bonn
Prof. Dr. Marc Laureys Mittel- und Neulateinische Philologie, Universität Bonn
Prof. Dr. Dieter Mehl Englische Philologie, Universität Bonn
Prof. Dr. Hans-Joachim Raupp Kunstgeschichte, Universität Bonn
Prof. Dr. Bernd Roeck Geschichte, Universität Bonn/Zürich
Prof. Dr. Georg Satzinger Kunstgeschichte, Universität Bonn
Prof. Dr. Andreas Tönnesmann Kunstgeschichte, Universität Augsburg/Bonn
Prof. Dr. Henning Wrede Klassische Archäologie/Altertumswissenschaft in der Renaissance, Winckelmann-Institut der Humboldt Universität Berlin

Stipendiaten:
Mahros Janet Allamezade-Hempe, M.A.
Jutta Allekotte, M.A.
Margot Brandlhuber, M.A.
Susanne Gramatzki, M.A.
Inga Mai Groote, M.A.
Dr. Eva-Bettina Krems
Oranna Kröll, M.A.
Claudia Lanfranconi, M.A.
Matthias Michel, M.A.
Martina Minning, M.A.
Klaus Pietschmann, M.A.
Ulrike Ritzerfeld, M.A.
Andreas Schumacher, M.A.
Sabine Schwarz, M.A.
Sabine Söll, M.A.
Dr. Christine Tauber
Mignon Wiele, M.A.

Projektbereiche und Teilprojekte:

1:  Geschichte der Altertumswissenschaft

2:  Epochengrenzen zwischen Mittelalter und Renaissance

3:  Die profane und kirchliche Auftraggeberkultur der Renaissance sowie die Institutionengeschichte

4:  Rezeption der Renaissance

5:  Gender-Forschung

6:  Theorie- und Methodengeschichte

Forschungsprogramm:

Im Bereich der Altertumswissenschaft setzten Henning Wrede und Oranna Kröll ihre Forschungen zum Antikenverständnis wie zu Antikensammlungen fort. In den Blick genommen wurde besonders die vitale und auf Selbstdefinition ausgerichtete Antikenrezeption in Neapel seit der Herrschaft der Anjou. Henning Wrede und Andreas Tönnesmann beschäftigten sich zudem mit der frühen Wissenschaftsgeschichte der Archäologie wie der Kunstgeschichte (Kunsttheorie, Bellori/Ligorio). Wie auch im vorhergehenden Berichtszeitraum lag ein Schwerpunkt des Graduiertenkollegs auf der Problematik der Epochenschwelle zwischen dem Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit. Die Kategorienbildung in den einzelnen Disziplinen wurde ebenso reflektiert wie die Frage nach dem innovativen Potential von sich selbst bewußten, traditionsorientierten Kulturen, wie etwa derjenigen Nürnbergs in der Zeit um 1500. Sabine Söll konzentrierte sich in diesem Arbeitsfeld auf die Selbstbildnisse im Werk von Hans Baldung Grien und führte damit die Forschungen von Gunter Schweikhart fort. Barbara Schellewald suchte das Innovationspotential der skulpturalen Aufträge von Veit Stoß zu profilieren. Das Augenmerk richtete sich zudem auf die Auftraggeberkultur, bei Claudia Lanfranconi im Rahmen ihrer Studien zu Francesco Francia und der Bologneser Kunst um 1500. Die Interdependenzen zwischen Auftraggeber und Bildprogrammatik wurden von Ulrike Ritzerfeld für die Bruderschaften und die Ausstattung ihrer Gebäude im 14. und 15. Jahrhundert, von Jutta Allekotte für die Römischen Loggien des 15. und 16. Jahrhunderts thematisiert. Päpstliche Aufträge standen im Zentrum kunsthistorischer wie musikwissenschaftlicher Untersuchungen (Georg Satzinger und Klaus Pietschmann). In den einzelnen Disziplinen waren zudem Projekte angesiedelt, die die künstlerische Produktion vom 15. bis zum 18. Jahrhundert unter gewandelten Gesichtspunkten betrachteten: Mahros Allamezade-Hempe untersuchte das aus sprachhistorischer Sicht höchst aufschlußreiche Oeuvre von Teofilo Folengo, Inga Mai Groote die Musik italienischer Akademien des 16. und 17. Jahrhunderts. Andreas Schumacher erforschte den Typus des Idealbildnisses im 15. und 16. Jahrhundert in Italien anhand der 'teste divine' von Michelangelo. Georg Satzinger konnte seine Forschungen zum Julius-Grabmal von Michelangelo abschließen. An beide Projekte anschließen konnte Susanne Gramatzki mit ihrer Studie zu Subjektivität und Fragmentarizität in der Lyrik von Michelangelo. Eva-Bettina Krems studierte Guercinos 'Naturalismus' zwischen Renaissance, Barock und Klassizismus mit der Intention, grundlegende Erklärungsmodelle für das Phänomen des Stilwandels zu entwerfen. Die komplexe Rezeptionsthematik wurde dezidiert aus der Perspektive aller beteiligten Fächer bis in das 19. Jahrhundert untersucht. Die antiquarisch, künstlerisch und literarisch überlieferten Rombilder bildeten einen Schwerpunkt der Forschungen von Henning Wrede, Marc Laureys, Georg Satzinger und Wolf-Dieter Lange. Anne-Marie Bonnet und Georg Satzinger arbeiteten kontinuierlich weiter an dem Thema des Kulturtransfers zwischen Italien und den nordalpinen Ländern. In diesem Forschungsfeld ist auch die Arbeit zu der Entwicklung des Rundportraits in der Malerei des 16. Jahrhunderts von Sabine Schwarz angesiedelt. Marc Laureys' Forschungen konzentrierten sich auf eine divergente Profilierung des Humanismus. Die Rezeption italienischer Kulturproduktion auf der literarischen Ebene wurde von Wolf-Dieter Lange verfolgt, während Martina Minning mit ihren Studien zu dem Florentiner Maler und Bildhauer Giovan Francesco Rustici (1474-1554) und Christine Tauber mit ihrer Arbeit zu 'Manierismus und Herrschaftspraxis. Der Hof von Francois Ier' der Rezeption in Frankreich ihre Aufmerksamkeit schenkten. Die spezifischen Repräsentationsstrategien in Italien bzw. Frankreich waren Ausgangspunkt, um die jeweiligen Transferbedingungen präzise konturieren zu können. Die differierende Balance zwischen Tradition und Rezeption wurde von allen Arbeiten herausgehoben. Für die französische Romantik verfolgte Mignon Wiele diesen Rezeptionsprozeß in einem späteren Stadium. Margot Brandlhuber widmete sich der Renaissance als einem Vorbild für die Entstehung eines europäischen Stils im frühen 19. Jahrhundert. Der Deutsch-Römer Ludwig Seitz (1844-1908) stand im Zentrum der Arbeit von Matthias Michel. Im Kontext einer öffentlichen Tagung 'Lebensentwürfe von und für Frauen in der Frühen Neuzeit' wurden die in den unterschiedlichen Disziplinen gewonnenen Erkenntnisse der Gender-Forschung reflektiert. Ausgangspunkt bildeten die Forschungen von Xenia von Tippelskirch über die Lesekultur von Frauen, von Anne-Marie Bonnet über die Aktdarstellungen bei Dürer, Cranach und Baldung Grien, von Bettina Uppenkamp über bemalte Brauttruhen des 15. Jahrhunderts in Italien, Andreas Tönnesmann und Ilaria Hoppe über Frauengemächer in französischen wie auch italienischen Residenzen des 16. Jahrhunderts.

Das skizzierte Forschungsprofil des Kollegs hat sowohl in den im In- und Ausland stattfindenden Arbeitstagungen, den öffentlichen Vorträgen wie auch in den vom Kolleg publizierten bzw. im Druck befindlichen Bänden der Atlas-Reihe seinen Niederschlag gefunden.


eMail: Transfer und Öffentlichkeitsarbeit